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Hauser, Höckner, Tillich
+The Beat Goes On 2008+
Edition Observatör

Woran erstickte Bon Scott? Konnte Elliott Smith mit einem Messer umgehen? Wie alt war Billie Holiday, als sie völlig verarmt starb? Diese und andere Fragen rund um die Endlichkeit allen Musikerdaseins beantwortet das 'Kalendarium toter Musiker'.

Was für eine grandiose Idee! Und die Umsetzung der Idee könnte besser gelungen nicht sein, sowohl optisch als auch inhaltlich. Mattschwarz, fest gebunden, mit Schriftzug in dezenter Goldprägung, also schlicht aber stilvoll, kommt "The Beat Goes On" daher. Man möchte meinen: mit der nötigen Portion Respekt und Pietät, die seinem Gegenstand angemessen sind. Denn es geht um nichts weniger, als ein Kalendarium, dass einem an jedem Tag des Jahres verrät, welcher Musiker an diesem Datum das Zeitliche segnete und warum. Die meisten Musikliebhaber werden von solchen Anlässen eiskalt überrascht, nehme ich an. "Was, der King ist schon wieder dreißig Jahre tot?" schiesst es einem da durch den Kopf, wenn man es zufällig im Feuilleton liest. Oder wenn das Johnny-Cash-Todestag-Special im Radio läuft, fällt einem ein, wie einem im September 2003 die Tränen auf die Jeansjacke getropft sind.
Genauso ging es wohl den drei Herren, die diese kulturelle Errungenschaft zu verantworten haben, und mit ihm einen wichtigen Beitrag zur (nicht nur) Rock 'n Roll-Erinnerungsarbeit jetzt öffentlich zugänglich machen. Denn die Legende besagt, diese drei hätten sich einst den selbstgebastelten Prototypen dieses feinen Kalendariums gegenseitig geschenkt. Doch eines Tages wurden sie sich mit wachsendem Umfang ihrer Daten wohl auch ihrer wachsenden Verantwortung gegenüber all der Ahnungslosen bewusst, und beschlossen, ihr Wissen allen zugänglich zu machen, die teilzuhaben wünschen. Und manch einer wünscht das sehr wohl, doch weiß es selber noch nicht, was die Reaktionen auf das mir vorliegende Exemplar bestätigen.

Auch seine Feuertaufe hat es betanden: Als die Sprache kürzlich bei der Lesung eines polnischen Autors auf einen der bedeutendsten polnischen Jazzmusiker kam und keiner so recht wusste, wann dieser nun eigentlich verstorben sei, bot ich mittels "The Beat Goes On" Abhilfe an, kassierte zunächst zweifelhafte Blicke und Skepsis, fand ihn mithilfe des kleinen, hilfreichen Registers im Nu und siehe da: anerkennende Blicke allenthalben und das Gespräch konnte, um eine wichtige Information reicher, weitergehen.

Auch in Radiostudios und Musikredaktionen könnte das Büchlein von Interesse sein. Zumindest uns bei 27FM wird der Kalender in Zukunft als wichtiges Kompendium dienen, um noch etwas gezielter in den Sendungen dem einen oder der anderen verstorbenen Musiker/in den gebührenden Tribut zu zollen. Vieleicht tut es uns ja jemand nach.

Wer also einen Kalender für 2008 sucht, der erstens einen hohen Gebrauchswert hat, zweitens etwas außergewöhnliches darstellt, der greife zu diesem kleinen aber feinen Terminkalender. Auf der Website werden nach Redaktionsschluss verstorbene Musiker zusätzlich aufgeführt, dort kann man sozusagen updaten. Zudem gibt es allwöchentlich den "Death of the Week". Was will man mehr?
Also: Support this Rock'n Roll-Kollektivgedächtnis! Lang lebe Edition Observatör!

http://www.thebeatgoeson2008.de


Wertung: 10 von 10 Punkten
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[christian am 02.11.2007]